„Es ist die fehlende Bereitschaft, Fehler einzugestehen und für Aufklärung zu sorgen, die mich wütend macht.“

Vielen Dank an die Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung, die mich heute um ein Statement zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gebeten hat.

Ich bin aus Überzeugung Katholik, war sechs Jahre lang Vorsitzender des BDKJ Diözesanverband Eichstätt und bis Ende September 2018 stellvertretender Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Eichstätt. Es erschüttert mich immer wieder, wie der eigene Machterhalt vor den Heilsauftrag der Kirche gestellt wird. Missbrauchsfälle an sich sind schlimm genug und sorgen bei den Opfern für großes Leid, das Machtsystem, das die Täter schützt überschattet auch das viele Gute, das durch Haupt- und Ehrenamtliche in der Kirche geleistet wird.

Ich bin auch weiterhin überzeugter Katholik, aber ich distanziere mich entschieden von denen, die Täter decken, Unwissenheit vortäuschen oder das eigene Handeln vertuschen!

Das gesamte Statement im Wortlaut

Es ist schlimm, dass sexueller Missbrauch über Jahre und Jahrzehnte auch durch Menschen der katholischen Kirche verübt wurde und wird. Für unzählige Opfer haben die Taten große Schmerzen und unsägliches Leid in ihr Leben gebracht. Die Taten sind durch Nichts zu entschuldigen, die persönliche Schuld wiegt schwer.

Was mich fassungslos macht sind diejenigen, die die Täter geschützt haben und dies auch heute noch tun, die die Strafverfolgung verhindern und Tätern ermöglicht haben, weiter in ihrem Wirkungskreis tätig zu sein. Insbesondere gegenüber Priestern haben Menschen ein besonderes Vertrauensverhältnis. Priester und andere, die sich durch sexuelle Übergriffe versündigt haben, haben oftmals genau dieses Vertrauensverhältnis ausgenutzt. Dass es ihnen weiterhin ermöglicht wird, als besondere Bezugsperson tätig zu werden, zeugt von einem Versagen der leitenden Personen. Oftmals sind dies Bischöfe, die Verantwortung tragen, die Taten decken oder Anschuldigungen heruntergespielt haben bzw. herunterspielen.

Es ist die Tat selbst, die traurig macht, es ist die Vertuschung von Taten und die Verleumdung von Opfern, die fassungslos macht und es ist die fehlende Bereitschaft, Fehler einzugestehen und für Aufklärung zu sorgen, die mich wütend macht. Sich hinter Spitzfindigkeit zu verstecken, Unwissenheit vorzutäuschen und die aktive Vertuschung des eigenen Handelns – wie das des emeritierten Papstes, das jetzt bekannt wurde – davon kann ich mich nur distanzieren.

In der Kirche herrschen noch heute Machtstrukturen, die mit echter Verantwortung nichts zu tun haben, sondern darauf ausgelegt sind, die eigene Macht zu erhalten. An vielen Stellen streben Ehrenamtlich und Hauptamtliche, darunter auch viele die in hoher Stellung Verantwortung tragen, eine Veränderung dieser Machtstrukturen an. Leider wird dieses redliche Bemühen von einigen – auch und gerade in hohen Ämtern – unterwandert, diskreditiert und blockiert. Das Überschattet das gute Wirken vieler kirchlicher Einrichtungen und das große Engagement vieler Ehrenamtlicher gerade auch auf gemeindlicher Ebene, das vielen Menschen eine spirituelle und weltliche Heimat gibt.

Das Festhalten an alten Machtstrukturen ist damit kein Dienst an der Kirche, sondern steht für mich in direktem Widerspruch zum Heilsauftrag der Kirche.